Nachhaltige Holzwirtschaft in Nordhessen PDF Drucken E-Mail
Die regionale Holzwirtschaft in Deutschland ist wie viele anderen Branchen auch von den negativen Auswirkungen der Globalisierung betroffen. Kleine handwerkliche Betriebe haben kaum eine Chance gegenüber den "Global Players" der internationalen Holzindustrie. Ökologische und soziale Aspekte bleiben bei ihnen jedoch durch weite Transportwege und Verlagerung der Holzverarbeitung in Billiglohnländer auf der Strecke.

Was jedoch kaum bekannt ist, dass die Solidarische Ökonomie gerade in dieser Branche traditionell verankert ist. Gemeinschaftswälder, in Nordhessen oftmals auch unter der Bezeichnung Interessentenwälder zu finden, sind eine der ältesten Formen der Solidarischen Ökonomie vor Ort. Gemeinsamer Besitz sowie gemeinsame Bewirtschaftung des Waldes gehört in vielen Dörfern Nordhessens zum Alltag und zum kulturellen Leben der BewohnerInnen.

Dieses Potential sollte aus der Sicht des Vereins genutzt werden. Deshalb haben sich zwei PraktikantInnen mit den Möglichkeiten einer nachhaltigen Produktionskette für Holz in Nordhessen beschäftigt.

 

Wenn Sie weitere Informationen rund um das Thema Wald haben möchten, dann lesen Sie bitte weiter.

Wald in Deutschland

Ungefähr 10,5 Mio. ha der Fläche der BRD sind bewaldet. Das sind fast 30% der Gesamtfläche. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern außerhalb Europas nahm die Waldfläche in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Das steht für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Hierbei ist jedoch zu vermerken, dass die Aufforstung vor allem in ländlich geprägten Gebieten stattfindet und es somit zum Teil zu einer Verdrängung der landwirtschaftlichen Nutzfläche kommt. Dagegen wird der Wald in der Nähe von Siedlungs- und Ballungsräumen verstärkt abgeholzt um hier neue Bauflächen zu schaffen. Folglich ist eine Umlagerung der Waldflächen in strukturschwache Regionen zu beobachten, wozu auch das Mittelgebirge gezählt werden kann. Durch ein verstärktes Umweltbewusstsein und eine Umrüstung der Filter- und Abgasanlagen konnte das Problem des sauren Regens in den letzten 20 Jahren stark abgemildert werden, jedoch steht die Forstwirtschaft nun vor einem viel größeren Problem. Der Klimawandel und die damit verbundenen geringeren Niederschläge in den Sommermonaten führen zu Trockenstress bei den Bäumen. Deren Widerstandsfähigkeit nimmt ab und sie sind leichter anfällig für Krankheiten. Des Weiteren muss mit einem häufigeren Auftreten von Stürmen gerechnet werden. Die Forstwirtschaft steht hier nun vor der schwierigen Aufgabe die bestmöglichste Waldzusammensetzung der Zukunft zu planen. 

Wald in Nordhessen

Mit einem Waldanteil von 42% der insgesamt mehr als 2,1 Mio. ha umfassenden Landesfläche ist Hessen das waldreichste Bundesland Deutschlands. Hier ist aber ein deutliches Nord- Süd Gefälle zu beobachten, so weisen die höheren Lagen der Mittelgebirge Odenwald, Taunus, Spessart, Rhön, Vogelsberg, Westerwald, Habichtswald, Reinhardswald, Kaufunger Wald und das Knüllgebirge eine sehr hohe Walddichte auf. Dieses charakteristische Landschaftsbild soll auch in der Zukunft erhalten bleiben. 40% des Waldes werden vom Staat bewirtschaftet, der Kommunalwaldanteil liegt bei 35%. Das restliche Viertel wird von Privatleuten genutzt.

Interessentenwälder

Der Begriff Interessentenwälder ist die regionale Bezeichnung für Markgenossenschaften und bezeichnet Wälder, die einer Gemeinschaft zu unterschiedlichen ideellen Teilen gehört. Während der Kartierung Solidarischer Wirtschaftsunternehmen (SWU) und Einrichtung zur Unterstützung und Förderung der Solidarischen Ökonomie (EUF) an der Universität Kassel im Frühjahr 2008, hat das Forschungsteam die Interessentenwälder als SWU anerkannt. Diese Wirtschaftsform der Markgenossenschaft besteht schon seit dem Mittelalter, einige der Interessentenwälder können ihren jetzigen Ursprung bis ins 18. Jahrhundert nachweisen, die meisten wurden allerdings zwischen 1880 und 1900 in ihrer jetzigen Form geschaffen. Damals wurde jeder Familie ein Anteil an dem gemeinsamen Wald zugeteilt. Diese Anteile unterlagen über die Jahre der Erbteilung, oder wurden an andere Dorfbewohner verkauft, daher ist die Verteilung jetzt durchaus so, dass manche mehrere Anteile haben und einige nur halbe oder geringere Anteile halten. Das Prinzip bleibt aber bestehen. Durch den Strukturwandel arbeiten immer mehr Leute außerhalb der Dorfgemeinschaft, so dass den Interessenten kaum Zeit zur Bewirtschaftung ihres Waldes bleibt. Daher ist die Bewirtschaftung des Waldes durch die Interessenten sehr unterschiedlich geworden. Einige machen noch alle Arbeiten im Wald gemeinsam, vom Pflanzen bis zum Holzfällen, andere lassen den Wald komplett von Dienstleistern durchforsten. Der Verkauf zum Beispiel geht fast ausschließlich über die Forstbetriebsgemeinschaften. Für die Solidarische Ökonomie sind diejenigen Gemeinschaftswälder interessant, in denen gemeinschaftlich gewirtschaftet wird. 

Hessenforst

Hessen-Forst übernimmt die Beförsterung der Wälder in Hessen und hilft den Waldbesitzern zu bestimmen, welche Bäume zur Holzernte genutzt werden können. Natürlich kümmern sich die Förster auch um die Ökologie des Waldes und verbinden diese mit der wirtschaftlichen Nutzung. Immerhin haben die Förster die Einhaltung der Forstgesetze zu gewährleisten. Die Staatswälder in Hessen werden komplett von Hessen-Forst bewirtschaftet, die Privat-, Körperschafts- und Gemeinschaftswälder werden beratend unterstützt. Da die Staatswälder auch bewirtschaftet werden besitzt der Hessen-Forst auch die technische Ausrüstung zur Durchforstung und bietet diese Dienstleistung auch für die privaten Wälder an. Forschung und Bildungsarbeit zum Thema Wald werden ebenfalls übernommen.

Waldbesitzerverband

Der Hessische Waldbesitzerverband e.V. vertritt nach eigenen Angaben die gut 60.000 nichtstaatlichen Waldbesitzer und setzt sich zum Ziel die Leistung der forstwirtschaftlichen Betriebe zu erhöhen. Seit dem 8. Januar 1953 besteht dieser Verband in seiner jetzigen Form.

Zu denen vom Waldbesitzerverband erbrachten Leistungen gehört die politische Vertretung der Waldbesitzer auf Landes- und Bundesebene. Die Mitglieder werden durch Rundschreiben und Mitteilungsblätter sowie auf den Mitgliedertreffen über Neuerungen informiert. Seminare werden zu den relevanten Themen angeboten und die Mitglieder bei der Erstellung einer betriebswirtschaftlichen Analyse unterstützt.

Forstbetriebsgemeinschaft

Nach dem Bundeswaldgesetz sind Forstbetriebsgemeinschaften anerkannte Zusammenschlüsse von Waldbesitzern. Ziel dieser Gemeinschaften ist es, die Bewirtschaftung der Waldflächen zu verbessern, indem sie mehrere kleine Waldflächen zusammen ernten, teure Maschinen zur gemeinsamen Nutzung anschaffen, sich gemeinsam um die Pflanzung neuer Bäume kümmern und sonstige Probleme bei der Bewirtschaftung des Waldes lösen. Durch den gemeinsamen Verkauf des Holzes können auch die Besitzer kleinerer Waldflächen angemessene Preise für ihre Produkte erzielen.

 

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